Offen Transgender sein – und das Risiko dabei

”Ja, aber wie ist deine richtige Name?” fragen die Leute mich manchmal. ”Joanna”, sage ich ich stets. ”Glaube ich nicht”. ”Dann glaub es eben nicht, es ist aber so” Passiert oft (und nicht nur bei riesigen Transphoben – auch allgemein bei ungebildeten Leuten die keine Ahnung haben, was Transgender sein wirklich bedeutet.) Oder noch so ein Klischee: ”Aber bist du jetzt ein Jungen oder ein Mädchen?” ”Ganz klar, ein Mädchen.” ”Aber biologisch gesehen…” ”Wurde bei meinem Geburt festgestellt dass ich männliche Geschlechtsmerkmale habe, genau. Aber was zum Teufel hat das mit meinem Frausein zu tun?”

Das passiert manchmal (naja, wahrscheinlich häufiger als zunächst angenommen, aber trotzdem sagen die Leute das vor allem in ihrem Kopf – dank sei dem Fliegende Spaghettimonster), weil ich öffentlich und deutlich Transgender bin. Ich bin pre-op, pre-HRT (lass mich nicht länger warten, blöde VU!) und daneben habe ich es klar und deutlich auf meine Facebook-Seite geschrieben. Und ich habe so meine Gründe das zu machen.

Die Grundgedanke ist, dass wir im Jahr 2017 und wir doch endlich das Gespräch führen sollen, über was es heute bedeutet Transgender zu sein, oder überhaupt ein Mädchen, Jungen oder was auch immer. Ich bin es satt diese Geschichte zu verstecken und ich habe mir beim Coming-out dann auch die Frage gestellt – wie werde ich damit umgehen? In die Öffentlichkeit treten? Ja, schon. Und weil ausgezeichnet ich dann Trans bin – wem kann denn besser all diesen ungebildeten, plebejischen Fragen beantworten? Und ich mach das auch. Mit Geduld, weil manche Fragen wirklich übel sein (siehe oben).

Hat schon auch seine Vorteile, eine solche Entscheidung. Ein offener Dialog bedeutet immer das schlussendlich das Verständnis, das Begreifen des Themas sich wesentlich verbessert – und nicht zuletzt, weil dieses Gespräch auch stattgefunden hat beim Polyglot Gathering 2017 in Bratislava. Macht man das für 70 Leute und steht es in der Programmierung – ja klar, dann können die auch nicht mehr sagen, dass es das nicht gibt. Im Grunde schreit man dann ”Ja, hallo, mich gibt’s auch noch!” Und ignorieren können sie das denn nicht, weil ich eine Bühne habe. Ein Plattform. Dank Lydia Machová und ihre Mitarbeitern. (Und, eigentlich funktioniert das überraschend gut – nach meine Präsentation sind meine Pronomen nicht mehr so häufig falsch benutzt. Vielleicht sollte ich sowas häufiger machen?)

Und ja, es gibt noch immer Leute die mir diese doofen Fragen stellen, wie ich ”eigentlich heiße” oder die mich ”er” nennen, ohne zu ahnen, wie übel das ist. Aber wenn wir die Leute das beibringen, und auch mit Humor, Verstehen und Geduld (!) (daran fehlt es häufig bei den Transmenschen – es wird leider nicht alles gegooglet!), passt es bei den meisten schon . Wir sind, im Allgemeine, nicht mehr so transphob wie 50 Jahre her und heute ist, trotz alle Vorfälle, immer noch die beste Zeit, Transgender zu sein.

Bin ich stolz darauf? Nein, stolz nicht. Kann man auch nicht sein – man sucht es sich nicht aus. Aber einer sollte es ja tun – und wenn WIR das nicht tun, bleiben wir in der Finsternis. Und ich dachte mir so, es ist jetzt an der Zeit, aus die Dunkelheit ins Licht zu gehen. Schalten wir das Licht mal an und dann sehen uns die Anderen auch genauso, wie wir wirklich sind.

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Om joannavanschaik

Science communication graduate. Music, poetry, literature, travel, science and language collide in this blog.
Det här inlägget postades i Deutsch och har märkts med etiketterna , , , , , . Bokmärk permalänken.

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